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Go2Köln-Bericht
Gegendarstellung von U.Ruchatz
Expeditionsbericht über Leben, Sitten und Gebräuche der Vogelsanger
Zum Artikel in der letzten big-Ausgabe ( siehe hier )
Der ansonsten so hervorragende Expeditionsbericht Ihres Abgesandten über Leben, Sitten und Gebräuche der Vogelsanger weist leider einige Unvollständigkeiten auf und bedarf daher wichtiger Ergänzungen bezüglich unserer Bemühungen zur Abschottung und Arterhaltung. Offensichtlich hat sich Ihr Berichterstatter ohne Visum nächtens den Zugang zu unserem Reservat erschlichen, an den Fenstern unserer Hütten und Versammlungsstätten gelauscht und nur die Hälfte mitbekommen.
Vogelsang ist kein Einwanderungsland und wir möchten bei jedem Zuzug, auch dem nur kurzfristigen oder vorübergehenden, gefragt werden. Wie damals bei Honeckers wollte auch hier niemand eine Mauer errichten. Wir fürchten auch nicht, dass uns der Himmel auf den Kopf fällt, sondern nur, dass uns die riesige Blechlawine von Schrottautos an der Vogelsanger Straße eines Tages erschlägt, die sich bedrohlich unserem Schutzgebiet nähert. Der Bau der Mauer - die Ihr Foto so trefflich abbildet - entsprang dem Votum der für diese Abstimmung zugelassenen Ureinwohner. Wir glauben einfach, dass es mit einer Mauer weniger Probleme gibt als ohne Mauer. (Eine Übereinstimmung mit landläufiger Volksmeinung in der Bundesrepublik ist rein zufällig.) Dabei hat es nicht an Alternativen gefehlt, diesem Problem auf den Leib zu rücken. Immer wieder haben wir versucht, das von Ihnen abgebildete Tunnelstück mit ökologischen Mitteln zu schließen. Wir fluteten es, ließen es voll Wasser laufen und unternahmen diesen Versuch mehrfach im Jahr, aber eine hermetische Absperrung war nicht zu erreichen. Schließlich hat der "Hohe Rat" unseres Gemeinwesens diese Absperrmethode als zu unbeständig verworfen und den Mauerbau befohlen.
An der strategisch so wichtigen Nordflanke zur Venloer Straße hin am Silbermöwenweg) lassen wir zur Zeit als Befestigungsanlagen monumentale Betonblöcke errichten, die jeden sofort abstoßen, der sich von dieser Seite her unserem Reservat nähert. Weiter östlich am Biesterfeld versuchen wir, uns auf eine andere Weise einzuigeln, die ganz schön clever ist. Uns ist es auf Grund guter Beziehungen zur Stadtverwaltung gelungen (schließlich fand auch Häuptling Fritz von nebenan für einige Zeit Unterschlupf in unserem Reservat), das zentrale Hundeklo für den gesamten Stadtbezirk Ehrenfeld nach hier zu holen - ein Schachzug, der der Ansiedlung der Fordwerke in Köln gleichkommt. So entsteht hier langsam aber sicher ein Schutzwall mit Tretminen, "Kordon" in der Sprache unserer Wehrstrategen, der auch von dieser Seite den Eindringlingen den Zugang richtig stinkig machen. Allein die Südflanke am Wassermann, unserem Heimatsee, bereitet uns noch ein paar Sorgen. Hier ließen wir zum Schutz eine riesige Geräuschkulisse - sozusagen eine Schallmauer - errichten und engagierten Jugendliche in der Halle II und im Rhein Energie Dome, die durch gleichzeitiges, rituales, rhythmisches und ohrenbetäubendes Schreien und Kreischen die Eindringlinge verjagen. Leider können wir diese Schutztruppe nur bei Nacht und an Wochenenden bekommen, so dass wir zur Schließung der dadurch entstandenen Bewachungslücke noch anderer Hilfstruppen bedurften. Wir stellten Aktivisten ein, die sich paarweise oder in Rudeln dort an ihren Einsatzort heranschleichen und ihren Dienst getarnt in Verstecken und völlig entblößt versehen. Der Vorteil für uns, wir sparen die Kosten für deren Uniformen ein. Auch vermuten wir, dass es sich bei dieser Crew um Ossis und Wessis handelt, die den ganzen Tag etwas spielen, was offensichtlich mit Wiedervereinigung zu tun haben muss.
Sie sehen, die Erhaltung unseres Reservates ist für uns ein echtes Anliegen, das unseren ganzen Einfallsreichtum fordert.
Ulrich Ruchatz (Beauftragter des Hohen Rates) |
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